Donnerstag, 2. September 2010
Schiefes Haus
Parallel zur Renovierung und Umbau zu einem Museum in Wernigerode wird das sogenannte "Schiefe Haus" in der Klintgasse als 3D-Objekt mit Autodesk Maya visualisiert. Die kleine Projektgruppe bestehend aus Meike Müller, Oliver Szymkowiak und Prof. Martin Kreyßig hat in enger Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber Rainer Schulze die Fachwerkkonstruktion analysiert und umgesetzt. Wichtiger noch aber war es, die frühere Funktion des Hauses als Walkmühle zur Herstellung regenfester Stoffe zu verdeutlichen. Dazu haben die Studierenden eine Mechanik entwickelt, die nachvollziehbar visualisiert, wie das Walken der Stoffe seinerzeit vonstatten ging. Es wird vermutet, dass die schweren Hämmer dem Haus so zugesetzt haben, dass es in Schieflage geriet, die aber durch die Renovierungsarbeiten jetzt fixiert wurde.
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Sonntag, 29. August 2010
Doubling
"The Doubling actually puts authenticity into doubt" sagte Richard Deacon 1991 in einem Interview mit Julian Heynen. Gemeint war die Tatsache, eine Skulptur exakt zweimal herzustellen und sie in dem geschwisterlichen Villenensemble Haus Lange und Haus Esters in Krefeld, gebaut 1928-30 von Ludwig Mies van der Rohe, auszustellen. Der Betrachter sieht dieselbe Skulptur an zwei unterschiedlichen Orten in geändertem Kontext und stellt die Frage nach der Authentizität des Objekts und dessen Umgebung. Diese Sinnfrage ging mir gestern durch den Kopf, als ich eine souverän dreinschauende Mutter ihre Zwillinge vor sich herschieben sah.
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Montag, 23. August 2010
Babuschka
Der Film Inception (Slogan: Your mind is the scene of the crime) wäre nicht wirklich viele Worte wert, wenn er nicht diese labyrinthische Erzählstruktur hätte. Zwischen den Erläuterungseinlagen, in welcher der fünf Traumebenen man sich gerade aufhält und wie man per Kick in die nächst tiefere gelangen kann, unterhält der Film mit Aktionszenen der höheren Bondklasse. Die diversen Wirklichkeitsebenen sind nachvollziehbar ineinander verwoben, auch wenn man weder mit Traumdeutung, einfallsloser Gegenwartsarchitektur, Sigmund Freud oder weiterführenden Kenntnissen der Kognitionswissenschaft vertraut ist. Am Ende wird nachvollziehbar, dass die Wirklichkeit die einzige Glücksebene darstellt, in der zu leben sich lohnt - selbst für einen Dieb der neueren Art. Diese Profession beherrscht DiCaprio seit Catch me if you can, und so stiehlt er tief ins Unterbewusstsein eingepflanzte Geheimnisse einflussreicher Personen, kann aber auch Träume / Wahrheiten in das Unterbewusstsein einpflanzen, denn merke: auch Diebe können geben. Und dort, in diesem Unterbewussten schlummert selbstverständlich der ewige Konflikt zwischen Vater und Sohn auf der antagonistischen Seite sowie der Schuldkomplex des Protagonisten DiCaprio am Beziehungsdesaster mit seiner verstorbenen Frau, denn hier hatte er "gepflanzt" ohne dass sie es wusste (Subthemen: Unbefleckte Empfängnis / Gott / Zeus / Künstler / Virtuelle Realität). Die Assistentin zur Errichtung virtueller Traumarchitektur an seiner Seite trägt im Film den Namen Ariadne (sic!).
Ein Wiedersehen besonders mit Michael Caine, aber auch mit randständigen Schauspielertypen wie Pete Postletwhaite oder Tom Berenger. Wer Memento kennt, weiß die Regie und Konstruktionsliebe des Regisseurs Christopher Nolan zu schätzen. Diese Art der Mind-Game-Movies werden im kommenden Wintersemester in der BFO Filmgeschichte anzusehen und zu analysieren sein: Filme die im Kopf spielen.
Ein Wiedersehen besonders mit Michael Caine, aber auch mit randständigen Schauspielertypen wie Pete Postletwhaite oder Tom Berenger. Wer Memento kennt, weiß die Regie und Konstruktionsliebe des Regisseurs Christopher Nolan zu schätzen. Diese Art der Mind-Game-Movies werden im kommenden Wintersemester in der BFO Filmgeschichte anzusehen und zu analysieren sein: Filme die im Kopf spielen.
Sonntag, 22. August 2010
Rollercoaster
Nur Fliegen ist schöner. Achterbahnfahrten mit Stürzen, Loopings, extremer Kurvenlage oder Riesenschaukeln mit schleudernden Drehbewegungen sind prima für das einzigartige Gefühl von Erdanziehung und nahender Schwerelosigkeit. Im Zentrum des Genuss steht die pure Konzentration auf den Körper. Ängste, ausgelöst durch das alarmierte Gleichgewichtsorgan (in Synthese mit Aug und Ohr) und die dabei frei werdenden Botenstoffe, die dem Gehirn Gefahr signalisieren, während man durchaus sicher aufgehoben ist, lassen den Genuss entstehen (oder die Übelkeit).
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Montag, 16. August 2010
Schneckentempo
Zeit ist der einzig Sinn stiftende Luxusartikel. Während der Buchlektüre neulich im Sommerregen, beobachtete ich eine Schnecke, die den Sitzplatz an seiner offenen Seite überquerte. Ich schaute von der Lektüre immer wieder auf (in Swetlana Geiers neuer Übersetzung "Böse Geister", früher "Dämonen" - ein Dostojewskij pro Sommer) und war erstaunt, wie schnell das Tier auf seinem Weg über das regelmäßige Muster der Pflasterung voran kam. Dann legte ich das Buch weg und beobachtete die Schnecke mit ungeteilter Aufmerksamkeit. Die Langsamkeit ihrer Bewegungen war kaum wahrzunehmen, die Fortbewegung erlahmte, stockte fast, obschon das schöne Tier unvermindert zielgerichtet über den Platz glitt.
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Montag, 9. August 2010
Augenmusik
Mit "Augenmusik" bezeichnet man Musikvideos, die Musik visualisieren. Das kann auch eine Band sein, meistens entspricht es aber eher der Inszenierung einer Band in einer Story, als ein pures "Stagevideo" umzusetzen. Tolle Musikvideos entsprechen einfach oft gut erzählten kleinen Kurzfilmen, die eigene gestalterische Wege gehen. Selbstredend wünschen die Produzenten meist die Gesichter der Protagonisten zu sehen, ihr Fitting, Style, Dance und Bewegung und eher seltener ein eigenständiges visuelles Produkt.
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Mittwoch, 21. Juli 2010
Gamedesign und Echtzeit
Interaktionsdesign zeigt viele Gesichter. Beispiele studentischer Arbeiten der Zürcher Hochschule der Künste können derzeit in Stuttgart angeschaut und gespielt werden. Die Absolventen des Jahrgangs 2010 stellen professionell gestaltete Abschlußarbeiten vor. Nicht alle konnten von uns Amateurtestern (my son and me) gespielt werden, aber es finden sich großartig programmierte Ansätze, sei es im Bereich des Spiels, in der Interaktion mit dem iphone oder gespielt auf der klassischen Konsole.
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